(Fleisch-) Tunnelpiercing

Tunnelpiercing

(Foto: SuicideGirls / CC-BY 2.0)

Das Tunnelpiercing bezeichnet ein gedehntes Piercingloch, in dessen Stichkanal entsprechende Fleischtunnels (flesh tunnels) eingesetzt werden. Diese wie Röhren anmutenden Schmuckstücke halten den Stichkanal des Piercings entsprechend offen, sodass sie wie ein Tunnel aussehen. Tunnelpiercings kommen im häufigsten Fall im gepiercten Ohrläppchen vor, da sich dieser Bereich gut dehnen lässt, sind aber prinzipiell auch auf andere Piercingbereiche anwendbar, etwa bei Oberflächenpiercings. Bei der Dehnung zur Vorbereitung auf ein Tunnelpiercing ist ein Oberflächenpiercing jedoch starken Spannungen ausgesetzt, das Dehnen kann also nur in sehr kleinen Schritten erfolgen, ohne den Stichkanal zu verletzen. Auch Knorpelpiercings lassen sich nur schwer dehnen und neigen zudem zusätzlich zur Bildung von unschönen Wulstnarben.

In westlichen Kulturkreisen hat sich das Tunnelpiercing erst in den vergangenen Jahren als Modeschmuck durchgesetzt, während das Dehnen von Piercings schon so alt ist wie das Piercing selbst. Es geht dabei stark auf uralte asiatische Bräuche zurück, wie bildhauende Künste, die stark geweitete Ohrlöcher zeigen, belegen. Noch heute wird diese Technik des Piercings bei südamerikanischen und afrikanischen Stämmen angewendet, allerdings vor allem im Bereich der Lippen (Lippenteller oder Lippenpflöcke) und der Nasenlöcher, etwa beim Volksstamm der Apatani in Indien.

Fleischpiercing

(Foto: Vassil)

Um den gewünschten Effekt des Hauttunnels zu erreichen, sind unterschiedliche Möglichkeiten bekannt. In der Regel erfolgt das allmähliche Dehnen in Millimeterschritten mit Hilfe von unterschiedliche dicken Dehnungsstiften. Auch ein Einschneiden des Stichkanals kann zum gewünschten Ergebnis führen, ist allerdings nicht rückgängig zu machen und überdies relativ schmerzhaft. Eine weitere Möglichkeit ist die direkte Vergrößerung des Stichkanals während des Stechens selbst. Hierzu wird ein Loch in der gewünschten Größe herausgestanzt (Dermal Punching). Eine Methode, die vornehmlich bei Tunnelpiercings in der Ohrmuschel eingesetzt wird, da sich das Knorpelgewebe ohnehin schlecht dehnen lässt und die Piercingstelle deutlich schneller abheilt.

Ordnungsgemäß durchgeführt, sind bei Tunnelpiercings keine Wunden zu befürchten. Die Größe des Tunnelpiercings hängt dabei von der Dehnungsfähigkeit des jeweiligen Gewebes ab. Mitunter lassen sich sehr große Durchmesser (Ohrläppchen) erzielen. Werden die Dehnungsschritte hingegen mit zu geringem Abstand bedacht, also keine „Ruhepausen“ eingelegt, kann es zum Herauswachsen des Piercings oder zu Gewebeschäden kommen. Da die gedehnten Hautstellen mitunter dünner sind, kann es zudem zu einer vermehrten Durchlässigkeit für Bakterien kommen. Eine entsprechende Pflege kann dieser Problematik jedoch vorbeugen.

Flesh-Tunnel-Piercing stechen – so siehts aus:

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