Zungenpiercing

Zungenpiercing

(Foto: Tommy T / CC-BY-SA 3.0)

Das Zungenpiercing ist ein vertikal in der Zungenmitte platziertes Schmuckstück, das in der Regel aus einem die Zunge durchlaufenden Stab und je einer Kugel am oberen und unteren Ende des Stabes besteht, um das Piercing am vorgesehenen Platz zu halten. Das Zungenpiercing gehört, wie viele andere Piercingvarianten auch, zu einer Körperschmuckart, die eine lange Geschichte aufweist, in der westlichen Welt jedoch erst in den 90er Jahren Popularität erlangte. Erstmals in Erscheinung getreten ist das Zungenpiercing dabei in Deutschland. 1978 trug der deutsche Tätowierer „Sammy“ Streckenbach ein Zungenpiercing, später etablierte sich diese Schmuckvariante vor allem in der Technoszene, bis sie zu ihrer heutigen Popularität gelangte. Besonders beliebt ist das Zungenpiercing bei Jugendlichen und jungen Menschen im Alter von 14 bis 24.

Zungen-Piercing

(Foto: Joseph Ferris III / CC-BY 2.0)

Zungenschmuck hat eine lange Tradition und ist häufig in alten Kulturen zu finden. Allerdings spielte das Durchstechen der Zunge dort weniger eine ästhetische Rolle und wurde auch nicht dauerhaft mit Schmuck verziert. Vielmehr wurden zu bestimmten Ritualen Löcher in unter anderem die Zunge gestochen, um damit den Körper zu reinigen. Gleichzeitig diente diese Prozedur als Opfergabe. Noch heute sind diese Riten zu finden. Etwa beim Vegetarian Festival in Phuket oder dem Thaipusam-Fest in Malaysia, bei dem mehr oder weniger große Gegenstände durch die Zunge und andere Körperteile gestochen werden.

Das Stechen eines Zungenpiercings wird als deutlich weniger schmerzhaft beschrieben, als es vermutet wird. Wie bei allen Piercings wird auch beim Zungenpiercing zunächst die Einstichstelle markiert, danach mit einer Klemmzange fixiert und mit einem speziellen Venenkatheter durchstochen. Die Platzierung erfolgt in der Regel in der Mitte der Zunge, zwischen den beiden Zungenmuskeln, sodass weder das Zungenbändchen, noch die Zähne oder die Geschmacksnerven geschädigt werden. Da die Zunge aufgrund der Muskelfaserverletzung zu starkem Anschwellen in den ersten Tagen nach dem Stich neigt, wird für den Ersteinsatz ein langer Barbell (ein gerader Stift aus Titan oder Stahl, der an den Enden mit je einer Kugel verschlossen wird) verwendet, der im späteren Heilungsverlauf einem kürzeren Stab weichen sollte, um die Zähne nicht unnötig zu schädigen. Nach vollständiger Ausheilung kann dann ein Schmuckstück der Wahl getragen werden, oftmal wird auf ein gebogenes Barbell zurückgegriffen. Um die Zähne möglichst wenig zu schädigen und Mikroperforationen zu vermeiden, wird gerne Zungenschmuck aus weichem, beweglichem PTFE-Material verwendet.

Aufgrund der erhöhten Infektionsgefahr bei einem Zungenpiercing ist eine sorgfältige Hygiene während und nach dem Stechen einzuhalten. Die Ratschläge des Piercers sollten daher im eigenen Interesse befolgt werden, hierzu gehört unter anderem der Verzicht auf Säurehaltige Produkte in der Heilungsphase, der Verzicht auf Alkohol und Nikotin in den ersten Tagen nach dem Stechen und der täglichen Reinigung des Piercingschmucks. Auch kann es durch die Schwellung zu Sprachproblemen und Problemen bei der Nahrungsaufnahme kommen, die jedoch nach wenigen Tagen, wenn die Zunge wieder ihre ursprüngliche Dicke annimmt, vorbei sind. Innerhalb von drei bis sechs Wochen ist der Stichkanal des Zungenpiercings dann in der Regel verheilt.

Zungenpiercing stechen – So sieht’s aus:

Schreibe einen Kommentar